„Zu unseren Rücksprachen komme ich nicht mehr.“

„Die bringen mir nichts.“ Die Mitarbeitende verlässt entschlossen den Raum.

Die Führungskraft bleibt perplex zurück. In unserem Coachingtermin ist sie es immer noch. Auf die Bitte um ein klärendes Gespräch kam die Ansage: Sie bringt die Mitarbeitendenvertretung mit.

Naheliegend wäre die Vermutung, dass die Beiden eine Vorgeschichte haben. Doch die Führungskraft ist neu im Unternehmen, eine längere Zusammenarbeit gab es wegen einer Krankheit der Mitarbeitenden bisher nicht. Die Führungskraft schüttelt den Kopf: „Sowas habe ich in all meinen Jahren noch nicht erlebt“.

Ich höre das Muster zur Zeit häufiger von Führungskräften in Coachings: Mitarbeitende, die ihr Anliegen als Ansage formulieren statt als Gesprächsangebot – unverblümt, teils aus heiterem Himmel.

Bemerkenswerterweise gerade bei Führungskräften, die großen Wert darauflegen, selbst auf Ansagen zu verzichten, Hintergründe zu erklären, Zusammenhänge aufzuzeigen und Kompetenzen zu betonen.

Eine Ansage statt eines Dialogs – noch dazu aus der Mitarbeitendenrolle heraus – wirkt zunächst wie offene Kommunikation, ist aber strukturell etwas anderes: Sie stellt vor vollendete Tatsachen und erzeugt damit Druck. Wie eine Führungskraft gegenüber Mitarbeitenden agiert, ist die eine Seite. Wie Mitarbeitende ihre Anliegen einbringen, die andere. Denn die Verantwortung für Beziehungsgestaltung liegt nicht allein bei der Führungskraft.

Respekt, Offenheit und Dialog sind keine Einbahnstraße. Genau deshalb ist es wichtig, dass die Führungskraft klar Stellung bezieht und Verantwortung klärt.

Was du konkret tun kannst

  1. Klarheit zum eigenen Ziel haben: Was will ich im Gespräch erreichen? Steht für mich eine vertrauensvolle Zusammenarbeit im Fokus, will ich erreichen dass die Mitarbeitende erkennt, wie solche Ansagen auf mich wirken und welche Folgen das für uns hat?
  2. Fragen zur Reflexion und mit Perspektivwechsel mitnehmen, z.B. „Wie hättest Du an meiner Stelle reagiert?“
  3. Die eigene Grenze kennen: Was ist für dich in Ordnung, was nicht mehr? Sag das auch so: „Ich nehme ernst, dass dir die Rücksprachen nichts bringen. Gleichzeitig erwarte ich, dass wir gemeinsam nach Lösungen suchen – im Gespräch, nicht per Ansage. Ich möchte dass wir reden, bevor du eine Entscheidung triffst, die uns beide betrifft.“
  4. Worst-Case Szenario durchspielen: Kläre deinen eigenen Rahmen – nur für den Fall, dass die Gesprächsbereitschaft ausbleibt. Welche Konsequenzen sind möglich, welche schwierig? Diese Klarheit brauchst du vor dem Gespräch, nicht erst währenddessen.

Das ist kein Widerspruch dazu, selbst auf Ansagen verzichten zu wollen. Es ist vielmehr die Erkenntnis: Wer Dialog pflegen will, braucht ein Gegenüber das hier einsteigen will.

Du merkst, dass bei dir gerade eine Ansage statt eines Gesprächs im Raum steht? Lass uns gemeinsam draufschauen.