„Gut, dass ich dich mal kurz alleine erwische: Sie müffelt.“
Die Kaffeeküche, ein günstiger Moment. Die Kollegin berichtet: Schweißgeruch bei einer Mitarbeitenden, immer wieder, und andere reden schon darüber.
„Du musst das ansprechen!“
Die Führungskraft bedankt sich. Sie hat selbst noch nichts bemerkt – zu wenig persönlicher Kontakt zuletzt, mobiles Arbeiten, volle Termine. Also wartet sie, schnüffelt unauffällig bei nächster Gelegenheit.
Mist. Es stimmt.
Das erzählt sie mir im Coaching – vier Wochen später. Sie windet sich. Sie will ihrer Mitarbeitenden nicht zu nahe treten. Sie nicht beschämen. Hat Sorge, dass die gute Beziehung leidet.
Die Mitarbeitende sitzt währenddessen in Meetings. Geht durch den Flur. Spricht mit Kollegen. Unwissend. Seit Wochen.
Schonen ist nicht dasselbe wie schützen
Denn das Gespräch, das du vermeidest um die Beziehung zu schonen, ist oft genau das, was sie festigt und Sicherheit schafft.
Die Angst, die Mitarbeitende zu beschämen zeigt, dass dir die andere Person etwas bedeutet. Gleichzeitig verhindert die Sorge oft ein Gespräch, das Sicherheit schafft. Wer schweigt, hält Abstand. Und wer das Gespräch führt, zeigt: Ich sehe dich. Du bist mir wichtig und ich will, dass Du es weißt und handeln kannst.
Amy Edmondson hat untersucht, unter welchen Bedingungen Vertrauen in Teams entsteht. Ihr Befund: Vertrauen wächst nicht dort, wo nichts Schwieriges passiert – sondern dort, wo Schwieriges angesprochen wird und die Beziehung danach noch trägt.
Was du konkret tun kannst
Bevor du ein unangenehmes Gespräch vor Dich hinschiebst, frag dich kurz:
- Was genau hindert mich daran, das Gespräch zu führen?
- Was könnte darauf hindeuten, dass meine Befürchtungen unbegründet sind?
Für das Gespräch selbst hilft das Modell der Gewaltfreien Kommunikation von Marshall Rosenberg. Vier Schritte:
- Beobachtung – was du faktisch wahrgenommen hast, ohne Bewertung: „Ich habe bei unseren letzten Begegnungen einen unangenehmen Körpergeruch wahrgenommen.“
- Gefühl – ehrlich: „Ich fühle mich gerade sehr unwohl, das anzusprechen, weil es doch sehr persönlich ist und ich Sorge habe, Dich zu beschämen.“
- Bedürfnis – warum du es sagst: „Gleichzeitig ist es mir wichtig es Dir zu sagen, weil ich mir nicht sicher bin, ob Du das selbst merkst.“
- Bitte – oder Frage: „Bin ich die Erste, von der Du das hörst?“
Vielleicht steckt ein gesundheitliches Thema dahinter. Vielleicht ist es ihr schlicht nicht bewusst. Du wirst es nicht wissen, bevor du fragst.
Die Führungskraft aus meinem Coaching hat das Gespräch geführt. Es war kurz. Ruhig. Die Mitarbeitende war total dankbar.
Vier Wochen Beklemmung. Zehn Minuten Gespräch.
Du merkst, dass du gerade etwas vor dir herschiebst? Ich unterstütze Dich gerne bei schwierigen Gesprächen.

