„Sie können mir nichts Neues erzählen.“

„Ich bin seit über 20 Jahren Führungskraft. Da kenne ich mich mit Personalentwicklung aus. Sie können mir nichts Neues erzählen.“

Das sagte ein Bereichsleiter, als ich mich ihm als interne Personalentwicklerin vorstellte. Er verantwortete die Produktentwicklung.

Aus Interesse fragte ich ihn, ob und wie sein Bereich Design-Thinking-Methoden nutzt. Seine Rückfrage: „Wieso? Was ist das?“

Niemand kennt jede Methode. Doch Design Thinking ist in der Produktentwicklung ein sehr passender Ansatz und die Arbeitsmethoden sind dort weit verbreitet – in unterschiedlichen Ausgestaltungen. Vielleicht hätte ich doch was Neues erzählen können…😉

Was mich aber vor allem beschäftigt hat, war die Überzeugung dass allein seine Erfahrung für gute Entscheidungen ausreicht.

Evidence-based Management unterscheidet vier Quellen als Basis für fundierte Entscheidungen. Neben Erfahrung sind das wissenschaftliche Erkenntnisse, Daten aus der eigenen Organisation und die Perspektiven der Betroffenen.

Erfahrung hat dabei eine Besonderheit: Sie ist selbst erlebt. Was Menschen emotional bewegt hat, ein hart erkämpfter Erfolg zum Beispiel, prägt sich nachweislich stärker ein. So kann die eigene Erfahrung unbemerkt mehr Gewicht bekommen als die anderen drei Quellen.

Der Pferdefuß: Sie fühlt sich oft wie Gewissheit an. Doch das Gefühl von Sicherheit sagt wenig darüber, ob ein Urteil stimmt.

Vor allem dort, wo sich die Bedingungen wenig verändern und regelmäßig Rückmeldung möglich ist, bieten Erfahrungswerte eine gute Grundlage. Ändern sich die Bedingungen, zeigt Erfahrung vor allem, was in der Vergangenheit funktioniert hat.

Wer das nicht reflektiert, nimmt vergangene Erfolge zum Maßstab für neue Lösungen. Und stellt womöglich erst spät fest, auf dem Holzweg zu sein.

Die drei anderen Quellen ergänzen sie und schaffen damit eine breitere Entscheidungsgrundlage.

Was du konkret tun kannst

Nimm dir vor der nächsten wichtigen Entscheidung zwei Minuten und frag dich:

  • Worauf stütze ich die Entscheidung gerade vor allem?
  • Was an dieser Situation ist anders als bisher?
  • Welche Informationsquelle könnte noch neue Aspekte bringen?

Diese Fragen sind kein Misstrauen gegenüber der eigenen Erfahrung. Sie prüfen, wie gut sie zur aktuellen Situation passt.

Und im Team: „Angenommen wir hätten etwas übersehen – was könnte das sein?“

Kinder fragen gerne „Was machst du da?“. Vielleicht lohnt es sich, diese Neugier auch mit 20 Jahren Führungserfahrung beizubehalten. Zum Beispiel mit der Frage: „Was können Sie mir Neues erzählen?“

Melde Dich gerne, wenn Du mir diese Frage stellen willst. Und rechne damit, dass ich Dich das ebenso frage….